jedes Jahr zeigt der Minutenzeiger für SPE in eine andere Himmelsrichtung. War es vor 12 Monaten der kalte Osten (Marcus&Aru) bzw. der wilde Süden (Flex), scheint das Magnetfeld diesmal etwas gut machen zu wollen. Da Spektral seine Pokerqualitäten ausreizt und nicht wartet, bis die Frankreichflüge billiger als 0 Euro werden, heißt es dieses Jahr in den Drehstühlen der German Wings Zentrale erneut: "Och, nö, nich schon wieder die."
Der Anlauf zum Sprung über die Marne wird in Tostedt genommen. Bier und Rippchen sollen die deutsche Leitkultur zumindest im Kurzzeitgedächtnis und im Enddarm verankern bevor das Feindesland mit seinen Verlockungen und Hinterhälten ins Visier genommen wird. Die letzten Worte von Onkel Uwe: "Iß ma ordentlich Kartoffeln, wer weiß was du da kriegst. Wie heißt das, was die Schweine immer suchen?"
Brrz kommt mit seiner Kuscheldecke, der Zug hat leicht Verspätung und SPE noch neun Stunden bis zum Abflug. Suppe kochen, Platten hören. Frankreich-Neuling Brrz räsonniert über das zu erwartende Menschentum. "Ich hab ma nen Typen gekannt, der war Franzose. Wenn alle Franzosen so sind wie der, dann sind das nur... verschlafene... Spaziergänger."
'Die nächste Fronterfahrung Sonntagmorgen; ein Urknall sorgt für den Zustand, der sich wach nennnt. '
Versprochener Weckruf in den Harkortstieg des Lebens, ein verschlafenes Husten als Antwort spricht für Lebendigkeit. Der Rucksack ist grade groß genug für Spektral Cds und das blaue Notizbuch, kurz vor Verlassen der 101 flexische Meldungen. "Shit, vor der Nase weg...Bin einen später da". SPE wäre nicht SPE würde dies nur einem Member passieren. Kurz vorm Geldautomaten die Gewißheit: Mit Karte funktioniere Geldabheben besser, diese liegt noch auf Klaus' Kuscheldecke in der 101. Hansa-Nachwuchs Aru legt einen Gedächtnislauf über die Road zurück, brrz bleibt am Schaufenster kleben:"Ich kuck mir hier Tresore an."
Drei Bahnen später steigt SPE gemeinsam aus verschiedenen Wagen der S1 (Die ersten drei Wagen zum Airport, die letzten drei nach Poppenbüttel) und findet sich reunited auf dem Bahnsteig. Beim Gang durch die Sicherheitskontrollen fragt Fl vorsichtshalber nach:
"Hast du Klaus eigentlich gesag, dass wir abstürzen?"
"Och, Flex, das sollte doch ne Überraschung werden."
"Na, ja, wenigstens sitzen wir in einer Reihe. 21 a,b,c."
Geht aus den Köpfen nicht raus wie Kaffeeflecken, SPE hält zusammen wie Panzerketten. Auch im Traume. Während der Aru schlafenderweise den rasanten Wertanstieg sämtlicher SPE-Meisterwerke hervorgerufen durch einen kollegialen Absturz ins Mittelmeer kommen sieht, berichtet Fl vor der Räucherkabine am Flughafen von den Träumen der letzten Nacht. Zumindest dort Noiseboi und MBillion zugegegen, "plötzlich standen sie vor meiner Tür: 'Ey, Jungs, wir komm' doch mit.' Dann haben alle zusammen gechillt."
Spektral blockiert eine Sitzreihe vorm Terminal und räsonniert über das Leben und die Zukunft. Dass es dabei laut und vulgär unter Zuhilfenahme unanständiger Äußerungen zuging, kann im Nachhinein nicht eindeutig bestritten werden. Brrz ("komm mit mir, laß alles stehn und liegen") stürmt mit dem Ticket in der Hand Richtung Gangway, der Rucksack bleibt auf der Bank zurück und wird dem Weltenverbummler nachgereicht.
An Bord öffnet der stählern Vogel seine germanischen Flügel oder: Die Natur zeigt ihre Krallen Part I. Diplomaten werden mit offenen Armen und einem temperierten Händedruck empfangen, SPE mit lila Fingernägeln.
Flex bringt die Lage in einen Satz ("cabin cru vs. SPE"), läßt das "Intellektuellenfähnchen" (Hamburger Abendblatt) wehen und den Schwanz in den Gang hängen. Nicht ohne Folgen. Süßen Träumen wird ein bitteres Ende bereitet und der cabin cru mit dem Kaffeewagen das Terrain überlassen; nicht ohne den großen Tomasius zu zitieren ("finde schnell einen Job, dort gibt es Kaffee umsonst").
Bei der Lektüre der importierten Toilettenunterhaltung wird festgestellt, dass der Aru sich bei seinem battle of the galaxies gegen Wegelagerer der übelsten Sorte in guter Gesellschaft befindet und das Aushängeschild der Osmanie, Galatassaray Istanbul, ebenfalls grad in der Luft unterwegs ist. "Nicht, dass man sich heute noch über den Wolken trifft."
Wirtschaftinspektor Brrz verzieht sich zwei Sitzreihen nach hinten, Kommentare aus dem Off schwappen mit jedem Luftloch nach vorne. Nach brrzens Ausführungen über die Eigenarten seines Pianolehrers ("Am Ende wollte er mir noch erklären, wie man am besten rappt") ertönt die cabin cru mit der Aufforderung, sich nun anzuschnallen und die Position zur Landung einzunehmen. Die für Flex keine andere sein kann als die des restlichen Fluges.
Der prophezeite Absturz ein Wimpernschlag, hart genug zum Aufwachen.
Der erste Gang eines Mannes auf fremden Boden kann nur auf's WC führen, SPE verbleibt gerade lange genug in der Wartehalle um die Hinweisschilder aufmerksam zu studieren und das Motto der Tour aufleuchten zu sehen.
Sich schlußendlich im lang versprochenen Paradies wähnend stellt der Vorbote des spektralen Märtyriums die naheliegendste Frage:
"Wo sind denn die 99 Jungfrauen?"
"Die kommen jetzt, Flex"
Raus aus der Koje und rein ins Gejoje. Der Geruch von Baguette, Crepes und Kaffee liegt in der Luft, Aru packt die Wurststullen aus und reicht sie in die Runde. Beim Gang über den Boulevard unserer ersten Surferin entgegen sammelt sich noch etwas Regenwasser vor der Bayerischen Taverne, ein Zustand, der sich nach spektraler Ankunft angemessenerweise schnellstens ändert.
Man steuert zielsicher den Place Arnaud Bernard an und konstatiert kraft des schlafwandelnden Morgenspaziergangs: Alle Stuten fahren BlazeMobil und selbst die Neger zeigen Manieren. Aru gibt sich angetan vom zumindest tagsüber gesitteten Verhalten der Toulousianer und genießt den durch lang anhaltende Sonneneinstrahlung geprägten Umgang. Weniger gemäßigt der stürmische Überfall unserer beiden Empfangsdamen.
Couchsurferin Lucie hat uns Freundin Pascaline für's Erste als Reise- bzw. Demonstrationsführerin zur Seite gestellt. SPE wird zur Begrüßung geschlossen in die Kantine der Fakultät der Sozialwissenschaften geführt und das letztlich zur Jenaer VoKü äquivalente Food angepriesen, daß Naschkatze Felix das Wasser im Munde zusammenläuft und zu Kopfe steigt. Halluzinationen der Zunge, oder: Fl im Wunderland. Das Stück Fleisch im Rachen treibt Flex Vorstellungen und Wünsche aus, der Aru legt seines gleich auf Klaus' Teller ab und vermutet irgendwo zwischen den Küchenfrauen Daniel Cohn-Bendit mit der Kochschürze.
Anschließend Teetrinken mit Pascaline, zwischen dem Zigarettenrollen werden so Dinge und Gesprächsinhalte ausgetauscht.
Dann der Vorschlag, der selbst den Eifelturm in den Schatten stellen sollte: "Heute ist eine große Demonstration in Toulouse. Fängt gleich an, es geht einmal quer durch die Stadt, gute Gelegenheit mal alles zu sehen und kennenzulernen." Spe erinnert sich an die längst abgelaufene Weisheit, daß Demonstrieren das Grinsen der Spaßgesellschaft und der volkssportliche Ersatz des Theaterbesuchs ist, willigt per Akklamation ein und begibt sich auf den Weg zum Place du Capitol. Unterwegs demonstriert Fl schon probehalber, und zwar das alterwürdige Spektralgefühl für die Eskheiten dieser Welt.
Auf dem Marktplatz hält Spektral kurz inne und Fl äußert naheliegende Gedanken beim Durchschreiten der royalen Gemäuer: "Immer wenn ich so alte Gebäude anschaue, fühle ich mich erinnert an mein früheres Leben... als König von Toulouse." Aru fühlt sich erinnert an sein früheres Leben als Thomas Jefferson beim entsetzten Blick auf das Frankenreich in den Revoultionsjahren.
Der Demonstrationstrupp mit dem König vergangener Tage an der Spitze setzt sich in Bewegung, der fehlende Glanz des bunten Treibens wird durch Leuchtstäbe überstrahlt und Aru gibt sich Flugblättern verteilenden Flugblattverteilern gegenüber als Analphabet aus um nicht in innerpolitische Stellungskriege verstrickt zu werden.
Der lange Marsch verläuft sich irgendwo im Nichts und SPE entscheidet sich einstimmig für eine Sitzgelegenheit. Lucie offeriert ihr Home und man trifft sich bei einer Partie Soviet System. Aru beantwortet die Frage nach dem Erscheinungsjahr von Panzerkreuzer Potemkin richtig und steigt als Parteimitglied auf.
Lucie führt uns durch die am Stadtrand gelegene Wohnung ihrer Großmutter und zeigt uns stolz die von ihrem Mitbewohner Thomas errichtete Holzwand, in die Klaus später diverse Dartpfeile jagen wird.
Allmählich werden die Gardinen zugezogen und SPE gesteht sich ein Nickerchen zu. Aru ist als Erster wieder auf den Beinen und bekommt zur Belohnung von Lucie ein Buch ihrer Großmutter als Tischlektüre angeboten. "Encyclopedie des connaisances utiles". Lucie will für die Spektralgemeinde Reis kochen bevor man sich auf den Weg zurück ins Zentrum macht um dort den Abend zu verkneipen. Am Tresen trifft man Pascaline wieder und startet eine Weinverkostung aus dem Stand heraus. Flex und Aru funkeln grüne Flaschen in den Augen, die sich bei genauerer Nachfrage als trostloser Sirup entpuppen. Brrz, Fl und Lucie machen sich vorzeitig auf den Heimweg.
Den Abend ausklingen lassen oder den Aru aussingen lassen? Bizarre Szenen vor der Kneipe entschädigen für den wohlverdienten Schlaf. Der chaotische Rückzug, eine französische Spezialität. Menschen, die nicht mehr auf dem 3 Meter breiten Bürgersteig balancieren können, setzen sich ins Auto und kurven durch die Gegend. Selbst da, wo keine Kurven sind. Geruch von verbranntem Lack liegt in der Luft, des Arus Todesgedanken wehen durch die Nacht und weisen den Heimweg. In der Küche wird von Thomas und seinem Freund wiederholt verzweifelt der Weinkanister angezapft und sich mit Erdnüssen als Essensersatz begnügt. Der Aru will vor der Morgensonne flüchten und sich zum Schlafe betten, nicht ohne vorher einen Kartentrick der beiden Lebenskünstler im Praktikum bestaunt zu haben.
the day after tomorrow
Der Weckruf am nächsten Morgen das Küchengespräch bei offenen Türen. Lucie (21) erklärt Politikstudent Klaus aus der Bildungsrepublik Deutschland wer Margaret Thatcher war und muß bereits vormittags zur Universität. Klaus verzieht sich in Lucies Zimmer zum Hausarbeit schreiben (Das Politische System der BrrzRD), der Aru regeneriert seine Liebe zum Chillen in fremden Küchen. Um 14:00 kommt Masterflex unter der Decke hervor und betritt mit zugekniffenen Augen die Küche.
"Bonjour, France!"
"Das sagt France schon den ganzen Morgen zu dir, nur du hast dich noch mal umgedreht.
Spe macht die Frühstücksunterlage zum runden Tisch und entdeckt Lucies Haustier in einer Cornflakesschale. Der Mix aus Quietscheente und Tamagochi hat es SPE sichtlich angetan und kitzelt klausische Erinnerungen. "Ich hab mal was bekommen, und zwar so'n kleines Knäuel, das hab ich ins Wasser geschmissen, dann wurde da ne Badehose draus. Mit Bananen drauf."
Gourmet Le Fléx hängt noch die Zunge überm Toilettenrand und die Brille im Schwulencomic auf dem Klo. "Interessanter Käse." Auch Brrz und Aru schmeckt die Butter, wenngleich wir sie nicht zum Käse erheben wollen.
Zurück vorm Capitol warten wir mit Thomas auf eine Bekannte. Flex und ich überbrücken die Zeit mit einem Sandwich; auf dem Marktplatz selbst dürfen wir verwundert die Fusion von Sesamstraße und Konzeptkunst bestaunen. Nach einer Vielzahl von Minuten, die der geneigte Gentleman nicht im Traum und auch nicht vorm Einschlafen zu zählen wagt, humpelt die Freundin von Thomas ins Bild und hebt zur Entschuldigung und Begrüßung die Krücke. Das freie Liebesleben und die germanischen Couchsurfer scheinen französischen Trächtigkeiten als Körperkontakt nicht auszureichen und müssen allem Anschein nach selbst vom schwachen Geschlecht durch intensives Rugbyspielen ergänzt werden. Die Gefahren desselben lassen sich weder von der Hand weisen noch vom Bein streichen, Spe zeigt sich mitfühlend und zugleich verständnislos.
Gemeinsam schleicht man an die Garonne, um sich mit den Geistern der letzten Nacht und den Freunden von Lucie zu vereinen. Aru erweist englischen Touristen und kackenden Hunden die ihnen zustehende Ehre, macht sich dann aber auf den Weg um das Violett des Abends in alle seinen Schattierungen festzuhalten.
Des Abends geht es zurück zum Place Arnaud Bernard. SPE besetzt die Boller und wartet auf unsere Coffe-or-Drink-Surferin, die einen hippen spot für die Nacht vorgeschlagen hat. Die Zeit fließt die Straße hinunter und Spektral blinzelt der anbrechenden Nacht ins Gesicht, einzig einer der Drogenaraber hat ein Einsehen mit SPE und läuft mit einem Schlachtermesser Amok auf dem Platz .
Nach einer Halbzeit Warten macht man sich auf den Weg und erspäht die beiden Surferinnen am runden Tisch sitzend und Limonade schlürfend. Man gesellt sich dazu und sieht sich gezwungen, den befleckten Tisch samt zugehörigem Imbiß zu supporten. Aru erwirbt Schawarma Frites für 5 Euro, die schmecken als wären sie eigens aus Berlin-Kreuzberg importiert worden. Der flexonische Versuch einen Salat zu erwerben scheitert aus Gründen interkultureller Barrieren, Brrz stürmt ins Lokal mit dem Ausruf "Very cheap food".
Der stockende Verzehr schlägt SPE auf Magen und Gemüt. Araberhorden schleichen zur Fütterungszeit zwischen den Tischen umher und brüllen so laut, daß die Autos fast automatisch Feuer fangen. Klaus bestellt passenderweise ein zweites Messer und Steffs dicke Chemiefreundin fragt mich ob mein Name türkisch sei. Ich antworte mit Zähnefletschen und dem Hiweis, daß nach dem letzten Rülpser der Platz der langen Messer auch durchaus wieder verlassen werden kann.
Mixe Art Myris
Unsere Abendunterhaltung führt uns zu einem abgelegenen Ort in der Nähe des Airbus-Geländes. Es solle sich nach eigenen Aussagen um Kunst handeln, der Aru wünscht sich einen Notfallschirm herbei, der ihn auf Knopfdruck in Lucies Küche treibt.
Am Eingang warten ein Behälter und eine Hand voll Menschen, die nach gut-alternativer Art erläutern, ein jeder könne so viel geben, wie er wolle.Keine Festlegungen, keine Verpflichtungen, andernfalls wäre es schließlich keine Kunst mehr. Brrz klatscht mit einem Lachen in die Hände. "Hihi, alle holen ihre Knöpfe raus."
SPE folgt seiner Abendgarderobe in eine intergalaktische Tiefkühltruhe und der Aru denkt sich beim Betrachten der zeitweise hochesken Bilder, dass der Euro nicht ganz zu Unrecht in der Sammelbox liegt.
Neben der bildenden Kunst kommt auch der klingende Schund in den Gemächern der Unterwelt zu seinem Recht. Person gewordene Nichtigkeiten bevölkern die Bühne und Brrz wartet vergeblich auf den ihm versprochenen "Düb". Spe windet sich aus Mangel an Unterhaltung durch ein Zelt auf einen Schrottplatz, sozusagen das Gemüsefach des Kühlschranks. Nicht einmal ein Niesen hätte dazwischengepaßt und Spektral wird von heraneilenden Menschen mit dem Hinweis "Nur für echte Künstler" des Schrottplatzes verwiesen. Pippi Langstrumpf will wissen:
Lucie verbringt die Nacht vorsorglich bei einer Freundin, in der Küche erwartet uns nur eine Knorr Spargel-Suppe. Gourmet Flexlekowski (macht Butter zur Käse) kann auch diese Notlösung richtig handeln und stellt sich Pudding in dem Schälchen vor.
Der nächste Tag soll zu Flex' Couchsurfing-Bekanntschaft Emma nach Marmande führen. SPE droht der vorübergehende Split, weil Brrzy Brrz kurzzeitig und kurzweilig überlegt, den geplanten Trip nach Bordeux auszulassen, in Toulouse die Hausarbeit zu vollenden und das Geld für die Fahrt in ein Michael Jackson Konzert in London zu investieren. The question remains, Bahn oder Auto, der König von Toulouse geht mit seinem Fußvolk hart ins Gericht: "Wo wir literweise, tonnenweise Rioja für unsere Couchsurfer aus dem PennyMarkt herankarren, und die fahren uns nicht mal nach Marmande." Flex und Aru genehmigen sich den wohlverdienten Gutenachttee, Brrz vertraut auf die magischenKräfte heißen Wassers.
Boiling water makes Brrz a happy person
Auf Anfrage warum seine Hand aussieht als hätte Zorro im Liegen sein Zeichen hinterlassen erklärt brrz: "Och, das N is für Narrinder, sie hat mich angerufen, ich soll ihr hier n job besorgen. Schnell aufgeschrieben, perferkt."
Schlafenszeit. Da Lucie heute anderweitig nächtigt, sieht brrz seine Zeit gekommen und sich selbst schon unter der Decke ihres Bettes beim geruhsamen Schnarchen. Flex' und Arus Intervention
"Da muß ich als dein Über-Ich aber einschreiten."
erwidert Klaus brrzisch
"Wieso, erstens hast du dann mehr Platz und zweitens mach ich's einfach." Nicht ohne hinzuzufügen: "Ich dusch' aber vorher noch."
Das Abschiedsessen am nächsten Tag verpaßt Thomas knapp. Während SPE die Kartoffeln aufsetzt ist unser Host schon auf dem Weg zu seiner Freundin nach Barcelona. Auf Nachfrage wird erklärt, dass man bis dorthin ca. 3 Stunden benötigt. Flex faßt einen Trip beim nächsten Toulousebesuch ins Auge.
"Andererseits: was sollen wir denn in Barcelona?"
"Richtig. Maximal n bißchen Couchsurfing."
Dafür ißt Lucie für ihn mit und gesteht nach 3 Portionen Rahmgeschnetzeltem a la SPE: "A busy woman needs power."
Mit vollem Magen fährt SPE stadtauswärts und wartet im grünen Gras auf die Mitfahrgelegenheit im purple Peugeot. Flex greift zum Hamburger Abendblatt, das bis dahin getreu in der Seitentasche des Rucksacks zubrachte und nur behäbig löst man sich aus der Umklammerung der Sonnenstrahlen.
Unsere Chauffeuse heißt Birgid, ist angehende Weinspezialistin aus den Vereinigten Staaten und lenkt das Auto wie die Konversation. Da guter Geschmack mitunter recht bitter ist, wird mit Öl und Honig nachgespült. Spätestens bei Günther Grass protestiert der Aru auf der Rückbank mit ein paar BlazeOne-Zitaten, die Schimpfwörter werden vom heißen Asphalt absorbiert. Wider Erwarten wird SPE nicht an der Autobahnbrücke ausgesetzt, sondern bis in Herz von Marmande gefahren. Dieses schlägt anscheinend nicht für Touristen und Spektral wird auf der Suche nach Emma De Bono mit mildem Lächeln und ruhiger Hand die Richtung zum nächsten Dorf gewiesen. Nach dem dritten Blumenladen in Folge und dem Rücken des Horizonts wird selbst der verwegenste Wanderer mißtrauisch und sucht erneut den gepflegten Austausch mit den Einheimischen.
Ein paar Fußminuten und wilde Umarmungen später sitzt Spektral in Emmas Apartment in einem Schülerheim des Lycée Val de Garonne, in dem die 28jährige Klassenkämpferin aus Kanada gewissermaßen verweilt.
Pizza schon..im Ofen..sie schmeckt gut..mit Drogen.
In Anbetracht der beiden einsamen Weinflaschen, die einzig und allein für SPE aus lokalen Märkten geordert wurden (To-do-Liste aus Emmas Badelatschen: “Buy Pizza and Wine for the boys“), verfällt Flex in Entsetzen und spricht fortan von einem alcohol problem, welches es schleunigst in einer der gefühlten drei, gesehenen zwei Bars in diesem Nest der hohen Bürgersteige zu lösen gelte.
Brrz bereits im Schlaf, Emma, Flex und Aru in der Nacht. Von Bedeutung aber nicht die Frage, was sich nach Sonnenuntergang in den Straßen von Marmande, sondern im Kopf von Klaus Lorbeer abspielt.
Mit dem Aufstehen die Ankündigung für 5 Jahre nach China zu gehen. Perplexes Schweigen im Schlafsaal. SPE verpaßt die eigenen Atemzüge. Aru schaut verwundert auf Klaus’ Handrücken und denkt sich, dass die Textmarker heutzutage auch nicht mehr lange halten.
Bordeaux
Man trifft sich am Bahnhof von Marmande, dem Dreh- und Angelpunkt der graden Linien. Die Tourbegleitung nach Bordeaux sind Emmas Freundin Manou, zarte 18 Winter jung, hochgewachsene Holländerin mit Rehaugen und Hirschknospen, und eine Deutsche namens Marie. Da man 1,30 Euro sparen kann, läßt man eine Bahn aus und verlegt sich auf die nächste 12 Minuten später. Der Gang ins Bahnhofscafé und anschließende Sprint zum Gleis nicht mehr als ein geselliges Warm-up. Spe besteigt den Zug und läßt so allerlei Konversationelles über sich ergehen. Auf sein Studium angesprochen erklärt Flex: "I'm not better then a philosophy student." und scheint in Marmande ein paar Stilblüten eingeatmet zu haben. "I never sleep but always dream."
Erste Anlaufstation in Bordeaux ist CouchSurferin Sophie. Der inzwischen zum interkulturellen Knäuel angewachsende Spektral-Trupp wartet verlegen an der Eingangstür um dann umso entschlossener die Wohnung unserer Gastgeberin zu stürmen. Diese befindet sich grad in Gesellschaft eines unfaßbar häßlichen Nerd-characters, der ein T-shirt mit der Aufschrift "Teddie Smith" trägt, sich als Freund ihres Boyfriends herausstellt und Madame während SPE die Glocke läutet unvermutet seine fettigen Lippen auf den Mund gepreßt hat. Spektrales Timing verhindert Schlimmeres/Eskeres und zur Begrüßung darf SPE den Elfenklängen lauschen. Sophie lebt eine open relationship mit ihrem boyfriend, der noch drei andere Freundinnen hat und zur Zeit mit einem (jedoch nicht von ihm) schwangeren Girl zusammenlebt. SPE fühlt sich wie Dr. Sommer und zieht nach einer Viertelstunde intensiven Kennenlernens in die Parallelstraße zu Couchsurferin Nummer 2 in Bordeaux.
Auch hier empfängt uns die Dame des Hauses offenherzig und serviert zur Begrüßung heißen Dekolle-Tee. Federica ist Italienerin aus Turin und momentan Studentin in Bordeaux. Sexuelle Vorliebe: To fall in love with gay men. Spe klatscht in die Hände und hüpft gegen Wände. Man zieht sich auch hier gekonnt aus der Affäre um anschließend auf dem Bordeauxer Boulevard zu flanieren. Bevor der Wein die Lustgärten dieser Liebesmetropole wässert ist ein Kurzesuch beim lokalen Vietnamesen fällig.
Vor der Kühltruhe im Supermarkt Kulturaustausch Galore. Fl zieht die esken Spitzen menschlichen Miteinanders an wie ein Staubsauger die Penisquetschung.
Vor dem Weinregal ist Entschlußfreudigkeit gefragt. Die SPE noch nie gezeigt hat und deshalb vorsorglich das ganze Regal mitnimmt. Der Vodka (Weihnachtswunsch Flex) und das Bier (Kuckucksei?) ergänzen das Programm und sorgen für erstaunte Blicke aus weiblichen Gesichtern.
Allez Allez, SPE
Brrz brap. Wer Grenzen und Hindernisse überwindet, weite Wege geht und aus allen Kehlen rappt sollte den Abend wenigstens in einem Fußballstadion verbringen. So steht es in spektralen Sakramenten und niemand hat die Absicht ein Flutlichtspiel auszulassen. Die Mädchen entscheiden sie wollen es "wild" und SPE steht Schulter an Kniekehle mit französischen Sportbegeisterten, die statt des Stadionbieres lieber grüne Blättchen rauchen. Für den weiblichen Anhang ist der Besuch einer Fankurve ein Novum. Auf Anordnung werden Hände geklatscht und Fangesänge imitiert, nur Karl Moik als Stadionsprecher fehlt. Das Spiel selbst ein Daumenkino aus Standbildern und Brrz teilt ein paar intime Momente mit 20.000 Bordeaux-Fans.
Zurück bei Sophie verscheucht spektrales Flaschenklimpern Teddie Smith ein zweites Mal. Dafür gesellt sich jetzt ihr Freund, eine Teddie Smith light version, dazu und wirkt am bunten Treiben seltsam uninteressiert. Sophie besteht auf einem Trinkspiel und SPE sind brave Gäste. Man kommt im Wohnzimmer der Nachbarin zu sich und schmeißt mit letzter Kraft eine BlazeOneCD in den Player.
Der nächste Morgen könnte nicht schöner beginnen. Der Aru wird von wildem Techno-Getrommel geweckt und findet sich in Federicas Himmelbett unter einer Schwulenfahne wieder.
Man entsteigt den Spinnweben der weiblichen Schlafgemächer und begibt sich eine Etage tiefer in die Hände unserer Gastgeberin. Fasziniert und ein wenig verunsichert berichtet Federica von ihrer Begegnung mit der siebenarmigen Couchpotatoe Flex: "I looked at Felix. He opened an eye. Then he smiled. And then he turned to the other side."
Spe verspeist ein Schwein, während du deine Tasse Tee trinkst
In diesem Fall einen gallischen Hahn mit blanken Fingern zum Frühstück an der Garonne.
Der anschließende Rummelbesuch bleibt vor allem Flex im Gedächtnis kleben und wird beim abendlichen Cafébesuch mit leuchtenden Augen wiedergegeben. Eine Zuckerwatte, von hier bis in den Glockenturm, aus diversen Töpfen in den Farben des Regenbogens und den Formen der Mutter Natur.
Inmitten spektraler Abschiedszeremonien (Manou und Emma) ein Donnerschlag vom Nebentisch. Drei Stuhlmädchen, die im Kanon gackern und ein Cripnigger aus Kamerun, der jedes Weib als sein eigenes Schätzchen ausgibt. Im Weinrausch werden Tische zusammengeschoben mit der Aufforderung: "Make friends" .
Manou und Emma zum besten Zeitpunkt zum Zug, Flex, Aru und Brrz werden Julie, Susanne und Clothilde vorgestellt. Kaum hat unser Mann aus dem Kamerun unsere Herkunft erfragt, erklingt die Punchline des Abends: "Kennen Sie Theodor Storm?" Man wird eingeladen in einen nichts als esken Spot quer über dem Platz und der Ruf nach der Vodkaflasche ertönt in diversen Sprachen. Der Aru denkt sich "Esk" - soll man damit jetzt den Durst löschen oder einen Scheiterhaufen anzünden? Kennen Sie Theodor Storm?
Spektral macht es sich bequem und damit alles richtig. Wein aus Plastikbechern, Schnaps aus der Flasche und Vodka aus den Händen einer Frau. Aru muß sich feindlichen Übergriffen von Clothilde, die jedem Buchstaben ihres Names alle Ehre macht, erwehren und plumpe Komplimente von der Geilheit in Person über sich ergehen lassen. Menschen spielen im großen Stil auf und versuchen sich als Schlangenbeschwörerin, doch der Penis bleibt brav. Clothilde mit dem Schwanz zu schlagen ist wie ner Steindammnutte guten Tag zu sagen. "ein Weib, ein Weib gefiel mir sehr, wenn nur das Gehirn nicht wär"
Federica ist inzwischen die Straße hinuntergesegelt und will nur Bier trinken. Klaus steht mit dem wieder eingetroffenen Sergio am Tresen dieser bezaubernden Wohnung und unterhält sich tatsächlich über Angela Merkel. Julie zeigt die anderen Stockwerke ihrer Bathöhle und Flex weiß schon, warum er so in die Kamera kuckt.
Flex und Aru starten ihren Rundflug durch die Nacht mit einer Auswärtsversion des Harkorttalks. Die Pizza im Nightshop ist dringend nötig, die nächtliche Idylle und pietätische Ruhe vor St.Michel laden zum Singen von Hansa-Liedern ein.
Francesca ist erneut vor sämtlichen Spektralkongolesen wach und untermalt ihr melancholisches Grundgemüt mit leicht depressiven Songs aus dem Musik Selecta, in den man diverse Koordinaten wie deep, quiet, melancholic, dark etc. eingeben kann und das Ergebnis aus den Boxen erhält. "Give me a reason to love you." Spe bekommt zum Frühstück Nudeln gekocht. Nichts und niemand kann das Gechille stoppen. Auch hier behauptet sich das Frankreich-Phänomen: Schöne Frauen, versaute Bäder.
In die Brrz regelrecht abtaucht. Verdächtige Töne aus dem Badezimmer. "Is he using the hair dryer?"
Matratzengruft war gestern, heute ist Couchsurfing. SPE gönnt sich eine weitere Fahrt mit der Straßenbahn und wird von Francesca zum Bahnhof begleitet. Wir warten ein geschlagenes Stündchen auf Denis im Renault Megane und schleppen abwechselnd Erbeerwasser, Baguettestangen oder Früchte herbei. Der Blick auf das Straßenbahnnetz versetzt SPE einen Schreck und man schätzt sich glücklich rechtzeitig ausgestiegen zu sein.
Flex und ich springen ins Auto und vergessen Francesca good bye zu sagen. Bordeaux versinkt in einem Tränenmeer, SPE schüttet ein paar Krokodilstränen obendrauf.
Bei der Reise nach Jerusalem belegt Brrz den Beifahrersitz und vertritt SPE an der Front. Unsere Mitfahrgelegenheit Denis ist bereits im etwas fortgeschritteneren Alter und arbeitet bei Renault. 2 Kinder und ein Wohnsitz in einem kleinen Dorf bei Toulouse sind vorzuweisen. Das Verlassen von Bordeaux erweist sich als schwierig, unser Chauffeur betrachtet ein wenig hilflos die Umgebung und mag nicht den rechten Weg auf die Autobahn finden. Das navigation system dirigiert uns einmal im Kreis und SPE bekommt noch einmal Bordeaux bei Abend zu sehen. Die Stimme aus dem Cockpit weist auf unbefahrbare Wege und Brrz verbalisiert die Situation für unsere Mitfahrgelegenheit: "Maschine women stress you." Nach dem Erreichen der Autobahn und einer einstündigen Schweigeminute wird das Gespräch auf der Vorderbank wieder aufgenommen. Couchsurfing, Länderreisen und Werbekampagnen bilden das Gerüst brrzischer Abendunterhaltung. "So when you see a lila cow, then you think of Milka."
Man rollt wieder smooth durch Toulouser Gassen und parkt die Hintern auf dem Sofa unserer letzten Couchsurferin für diesen Trip. Spe wird heiß erwartet und warm begrüßt. Auch in Toulouse scheint Spektral dafür zu sorgen, dass den Frauen die Brüste aus dem Ausschnitt wachsen und bekommt von Gastgeberin Caroline Kronenburg aus der 2-Literflasche eingeschenkt. Für Genießer und Gießener das Zeichen zum Weinkaufen, man erhebt sich um auch dem Spätshop an der Ecke einen Spektralbesuch zuteil werden zu lassen. In der Zwischenzeit ist die herbeibestellte Couchsurferin Laure mit gebrochenem und verbundenem Arm in Carolines Wohnung gelandet, denn das Problem der arithmetischen Disproportion besteht weiterhin fort: Zu viele Couchsurferinnen, zu wenig Nächte. Aru und Flex werfen alle Augen, die sie haben, auf das junge Gemüse. Flex kommt seine Kurzsichtigkeit zugute und Aru stellt dem elektronischen Eingangstor seine Manneskraft entgegen um das Urteil noch mal zu revidieren. Zu viel für französisches Metall, armenian steel is much more elevated. SPE verweilt im Käfig der Katzenlady und muß dem auf der anderen Seite des Tores eintrudelnden Bewohnern mitteilen, dass "irgendwas mit der Tür nicht stimmt". Die Schlange der von ihrer Wohnung ausgesperrten Bewohner wächst an und droht SPE zu verschlingen. Nach einiger Zeit funktioniert die Elektronik wieder und Spektral kehrt mit Körben voller Wein zurück. Direkt vor uns entert Romain, Carolines 2 Meter langer kanadischer Mitbewohner, das Haus. Der gute Mann macht den verhängnisvollen Fehler in Hörweite von Brrz Brösel zu erwähnen, dass er morgen bei einem Toulouser Radiosender eine Show moderiert. Spe bucht den Termin. Mit lautem Gepolter gesellt sich vollkommen unerwartet ein häßlich-dickes Gegenstück eines Weibes mit Hut zu der bis dato illustren Runde. Brrz und Aru sind 100 Kilo angetrunkenes Weibsstück ein bißchen zu viel zum Nachtisch und verziehen sich in Carolines Bett. Man taucht unter die Katzenhaare und hört das Gegacker aus dem Nebenraum. Tief in der Nacht wird des Arus Ohr vom verhasstesten aller Tiere ausgeleckt. Ich zeige mich persönlich angegriffen und menschlich erniedrigt und trete das Tier aus dem Zimmer. Wir sind doch nicht im Zoo.
Der erste Satz des nächsten Morgens aus dem Munde des übernächtigten Flex an unsere Hausdame: "Es tut mir leid, Mademoiselle, würden Sie bitte von mir runtersteigen?"
SPE samt Host macht Morgengymnastik vor einer Boulangerie, Flex schleicht einmal um den Laden um nach 20 Minuten tiefen Grübelns das Chicken Sandwich zu nehmen. Man läßt sich am Ufer der Garonne nieder, ißt Baguettes, trinkt die Sonne. Fragen unserer Gastgeberin nach dem Alter werden von Flex mit der Chicken Serviette weggewischt: "Age is just a play of numbers." Das Gespräch über deutsche Studien wird von Madame treffend zusammengefaßt: "Then german studies are like nintendo games?" Man prostet zu und öffnet ein Auge, um das andere wieder vor der Sonne verschließen zu können. Flex diktiert eine Filmliste ins Adreßbuch unserer Gastgeberin mit dem Hinweis, dass er auch im Medienzentrum alle Leute mit bonjour begrüße. "Sometimes I also say bon giorno, but just because of laziness." Man erhebt sich um dem Tag ein Stück entgegenzugehen. Fl erhält einen Anruf von Faber from Hell und schreit in altbekannter Manier in sein Handy: "Faber, ich bin grad in Toulouse:" Der Aru weist darauf hin, dass dies ja nicht unbedingt der ganze Strand zu wissen braucht. "Ich finde, das kann der ganze Strand schon wissen, dass ich in Toulouse bin."
Back im Hood werden den beiden spektralen Schlafmützen die Gegebenheiten der letzten Nacht nähergebracht. Man hat also Tat oder Wahrheit gespielt, als wäre eine SPEKTRALTOUR ein Pfadfinderlager und Bemerkenswertes zutage gefördert. Der 100-Kilo-Kloß besitzt ein nicht mehr jungfräuliches Arschloch, freundschaftliche Küssereien und lesbische Avancen, Bordelais Nights pt. II. Alle 3 Weibsstücke haben viermal nachgefragt, ob der Herr Kowski französische Frauen für Schlampen hält. Dieser bringt in fester Überzeugung Couchsurferin Laure nach Hause und muß vor der Tür erfahren, dass der ex-boyfriend zu Hause warte. "Aber mir wurde schon versichert, dass der ex-boyfriend morgen nicht da sein wird. Naja, jeder hat eine zweite Chance verdient."
Das humane Gedächtnis kann für solcherlei Kuhriositäten nur als Zischenspeicher dienen, der Aru zückt sein Tagebuch und tut seine Pflicht eingedenk der an der Heimatfront verbliebenen Spektralworkaholics. Eine Freundin des Hauses läuft am auf dem Sofa chillenden Aru vorbei und fragt, ob ich grad arbeite. Ich jongliere kurz den Stift auf dem Handrücken und sage, nein, nein , von Arbeit könne keine Rede sein, vielmehr sei hier ein hoch lebhaftes Tagebuch in the making. "Wow, que courage!"
you watched it on tv, you've heard it on the radio
Romain kommt kurz vorbei um spektrale Audiofiles für die Sendung auf seinen Mac zu laden. SPE bereitet sich gewissenhaft vor. Brrz spingt auf: "Ich muss noch Texte ausdrucken.", Flex scrollt die Kickerseite rauf und runter und Aru sendet Funkmeldungen in die Gaillard 21. "Der Penis schreibt mit."
Spe besteigt die Katakomben und flippt in altbewährter Weise. Fl verdrückt sich um das Soviet Game aus Lucies Händen entgegenzunehmen, Brrz läßt sich ruhigen Gewissens vertreten: "Wenn jetzt mic-check ist, mach mal für mich mit. Ich geh noch mal nen Fladen abdrücken."
Die Show wird eröffnet von BLAZE ONE, Politikstudent Klaus performt Steine schmeißen und Aru buchstabiert die Mutterfickerbeatz. Bei der Frage nach den Einflüssen spektraler Überkünste muß der erste Joker gezogen werden. Ist halt auch schon lange her. SPE rult das game, verteilt Handküsse über den Äther und lobpreist die demonstration culture. Gut möglich, dass einem der imaginären Zuhörer der Bonbon in den Kaffe gefallen ist.
Spektral kriecht wieder aus der Erde, verabredet sich erneut mit Lucie an der Garonne zur Verabschiedung. Brrz wollte nur kurz ein Brötchen kaufen und verschwindet auf unbestimmte Zeit. Lucie erzählt, das Thomas in Barcelona verlorengegangen sein muß. Pascaline ist in irgendeine entfernte Kleinstadt aufgebrochen, obwohl sie sich eigentlich auf ein Bier treffen wollten. Lucie selbst muß Strafe zahlen und Abbitte leisten. Delikt: Weed rauchen. Zum Abschluß schafft es noch Bubacar, Senegalese und Freund Lucies auf die letzten Seiten des Tagebuchs. Dieser habe sich von vielen Leuten Geld geborgt, ein fremdes Auto genommen und sei auf dem Weg nach Afrika um es dort zu versetzen. "And I'm really mad with him." So mad liebliche Französinnen halt sein können. Flex und Aru verteilen Abschiedsküsse und betonen, dass man in Hamburg und zur Not Berlin einen Gegenbesuch erwartet.
Brrz Brösel kommt mit einer Mini-MPC in Form eines Gameboys wieder und die Nacht kann beginnen. Ein opulentes Abendmahl liegt schwer in den Mägen, Spe erschöpft in den Sofas. Den ganzen Tag Baguette essen und Wein trinken schafft den stärksten Mann.
Brrz beschäftigt sich mit seinem Studium a.k.a. Nintendo Games, Caroline raucht Zigaretten, Flex schreibt Ansichtskarten an Mutschelpuputschel, Aru Tagebuch, und Laure wartet darauf von Flex nach Hause gebracht zu werden.
Vorm Schlafengehen noch ein Brrzischer Vulkanausbruch. "Ich nenn mich jetzt Brrz, der beste. Is mir grad eingefallen."
Der Abend wird früh gechoppt, SPE erbittet sich Decken und Schlafsäcke und bettet sich neben dem Katzenklo.
Abwasch, Abschied, Abflug
Beim Tellerreinigen in der Katzenküche hat der Aru eine Frage, die gestern on air nicht gestellt wurde. "Sag mal Klaus, magst du's eigentlich so versifft?" Bevor das Fragezeichen ausgemalt werden konnte brrzt es in des Klausens Nase und ein dicker Klumpen Rotze landet auf des Arus Fuß.
Man verabschiedet Caroline und grübelt, ob das Feuchte in den Augen Tränen oder Katzenpisse sei.
Der Weg zum Flughafen fällt schwer. Fl beendet die Reise wie er sie begonnen hat.
Am Security Schalter heißt es Zahnpasta ja, Deo nein. Die Geburtagscreme von Mama wird vom Flug ausgeschlossen, aber mir wird eine letzte Ölung im Magnetdetektor angeboten. Ich sage mir reicht die Vorstellung und konstatiere mit Fl und Brrz, dass Toulouse um ein wichtiges Wort bereichert worden sein dürfte.
Das letzte Croissant kommt aus dem Automaten und man spürt: Ein Hauch von Deutschland liegt in der Luft. Brrz Helikopter packt seinen Laptop samt Aphex Twin Sounds in der Wartehalle aus um seiner Hausarbeit einige Zeichen hinzuzufügen. Dem Aru offenbaren sich Rußland flashbacks. Man erkennt: German Wings bringt einen überall hin - aber leider auch wieder zurück.
An Bord wird SPE von Captain Sanders begrüßt. "Die Notausgänge sind fairerweise mit dem Wort >exit<> gekennzeichnet. Flex flüstert mir zu: "Vielleicht haben wir ja Glück und kommen niemals in Hamburg an."
Meine Sitznachbarin a la droite versucht ein Baguette oder Sandwich zu erwerben und bekommt alternativ heiße Suppe angeboten. Deutsche Folterknechte geben per Lautsprecher die Wetterlage in Hamburg bekannt. "1o°, Wolken, Wind." Regen auch in Toulouse, denn Spektral weint aus dem Bullauge - und Brrz pißt aus dem Cockpit. Flex erwähnt einen denkwürdigen Satz der letzten Nacht von Laure, die Aussagen a la *Couchsurfing is not a dating site* lächerlich findet, "weil wir sind doch alle erwachsene Menschen. Und dann wurden wir auch sehr erwachsen." "Da kann der Doc sich aber 5mal für ärgern, dass er nicht mitgekommen ist. Da kann man schon mal sein Abi für schmeißen, zumindest versauen."
Der Ausstieg in Hamburg eine Qual, die Fahrt mit der S-Bahn mehr als unerträglich. Bereits nach einer Station mag Flex nicht mehr aus dem Fenster kucken. "Oh nö, bleibt mal lieber alle zu Hause, Alter." Mit dem Hintern in der S1 Pläne für die Weltreise, auf Rezept von Aru. "Der Patient muss mal dringend raus."
Die größte Szene und der würdige Abschluß einer echten Spektral-Tour im Pennymarkt zwischen Cracknutten und Schnapsleichen. Brrz schleudert das Hack aufs Laufband und erklärt als wären's die Lottozahlen vom Wochenende: "Och, am Ende so einer Reise denk ich mir immer: Wärst du mal lieber zu Haus geblieben."
